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Adam und Eva
Eine Paradiesische Komödie von Peter Hacks

seit 9. Dezember 2011

Aus dem Nichts schuf Gott sich Kraft des Wortes seinen Erzengel Gabriel, ihn zu loben und zu begleiten, und dessen Bruderengel Satanael, ihn zu verneinen und zu verfolgen. Adam, nach seinem Bilde geschaffen, bot er das ganze Paradies samt Eva. Gabriel und Satanael, mit ihnen in die Stofflichkeit des Seins im Paradies gestoßen, fragen jeder für sich: "Wie dem entrinnen?", "Wie dies zerstören?" - "Wie das begreifen?" fragt sich Adam. Und "Was soll das ganze?" fragt sich Eva. Und wenn sie in den Apfel bisse?

Die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies ist eigentlich nichts Neues. Abgesehen davon nackte Menschen sehen zu wollen, was spräche schon dafür, ein solches Theaterstück zu inszenieren? Eva beißt in den Apfel: Auftritt ein hässlicher Nebel, das Paradies erbebt, die Sonne fällt vom Himmel, usw. Natürlich wäre das zu einfach. Das ALI Ensemble hat sich der Thematik intensiver gewidmet und das Augenmerk auf Fragen gelegt wie: Ist Gott ohnmächtig seiner Allmacht ausgeliefert? Sind Gut und Böse so einfach zu trennen? Wer ist wirklich der Verursacher des Sündenfalls und damit der Schuldige, der Täter gewesen? Hat Eva aus freien Stücken gehandelt, hat Santanael sie überredet, was hat Gabriel damit zu tun? Wo war Gott in dem Moment? Und Adam? Was ist eigentlich mit Adam?

"Sobald wir, im Denken oder Tun, in die wirkliche Welt eintreten, betreten wir das Reich, wo es dialektisch hergeht." (Peter Hacks)

Peter Hacks (1928-2003) war ein deutscher Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Er gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Der Erfolg seines Stückes "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" ist auf den deutschen Bühnen des 20. Jahrhunderts beispiellos. (wikipedia)


Presse:
Eine wahrhaft paradiesische Komödie bot das Ali-Ensemble mit der Premiere „Adam und Eva“ ... des Dramaturgen Peter Hacks als heiter-ironische Komödie, brillant gespielt, ...[und] nicht immer ganz einfach zu verstehen. [In] 90 Minuten erlebten die Besucher intelligente und zugleich poetische Wortgefechte. Das fünfköpfige Ensemble präsentierte einen starken Auftritt. Südkurier vom 12.12.11

Darsteller:
Friederike Brühl (Eva)
Daniel Leers (Gott)
Anne Lindenberg (Satanael)
David Miller (Adam)
Ralph Weber (Gabriel)


Regie:
Daniel Leers

Regie-Assistenz:
Lara Kuhfeldt

Bühnenbau:
Reinhard Wehrle

Licht und Ton:
Benny Wenger



Geschlossene Gesellschaft
von Jean-Paul Sartre

seit 3. März 2012

Der Schlüsselsatz „Die Hölle – das sind die anderen“ motivierte Sartre zu diesem Stück (im besetzten Paris 1944 uraufgeführt). Drei sich fremde Menschen, die zusammen auf ewig eingesperrt als Tote miteinander aushalten müssen: der verheiratete pazifistische Journalist Garcin, erschossen in einer Militärdiktatur, als er zu flüchten versucht, die Lesbe Inés, die sich hauptsächlich über das Leiden anderer definiert und die heterosexuelle Kindsmörderin Estelle, welche sich als Opfer ihrer sozialen Verhältnisse rechtfertigt: jede Annäherung, jede Solidarisierung zweier der Protagonisten schließt die dritte Person aus, ein ewiger Kreislauf von Intrige, Demütigung und Besitzstreben in gegenseitiger Abhängigkeit verhindert jede Entwicklung in Richtung auf eine irgendwie geartete Erlösung von vorn herein. Im wahrsten Sinne ein Teufelskreis, der keines Teufels und keiner Hölle mehr bedarf. Sartre unterzieht erste existenzphilosophische Ideen in diesem Stück einer radikalisierten Überprüfung: den Gedanken der absoluten Selbstverantwortung jedes Individuums, andererseits auch die Frage nach gesellschaftlichen Werten, nach einer Moral, an denen diese extreme Form der Selbstverantwortlichkeit zu messen und dann auch zu begrenzen wäre. So steht der Grundgedanke der absoluten individuellen Freiheit und Selbstverantwortung als Maßstab im Vordergrund. Widerstand ist dort angesagt, wo diese Freiheit bedroht wird, ob von anderen Menschen oder gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen spielt hierfür letztendlich keine Rolle. „Die Existenz geht der Essenz (dem Wesen) voraus“: der Zentralsatz Sartres menschlicher Existenzbeschreibung ist ein zutiefst säkularer. Der Mensch als Individuum ist Ergebnis seiner Handlungen. Dass aber das Individuum ohne den Spiegel, den ihm die anderen (die Gesellschaft) vorhält, in Gefahr gerät, nur noch um sich selbst zu kreisen und so sein eigenes unheilvolles Gefängnis selbst aufzubauen ist eine Ausgangsthese der „Geschlossenen Gesellschaft“. Als Beziehungsdrama fasziniert das Stück in seiner perfekten Dialogstruktur, in seiner fatalen Ausweglosigkeit. Dennoch bleibt es v.a. ein philosophischer Diskurs über Zwang, Selbstbestimmung und absolute Freiheit. Das Leben als radikales Experiment? Aber: Gibt es Alternativen? Lässt die Sartresche Versuchsanordnung auch das Scheitern des Experimentes zu? Und wo bleibt eigentlich die Leichtigkeit des Seins, der Humor, die Selbstironie? Wie wohl Sartre selbst darauf reagieren würde? Wir wissen es nicht, aber hierüber mit dieser Inszenierung zu spekulieren lohnt allemal… Eine auch für Gastspiele eingerichtete Produktion des Ali-Ensembles unter der Regie von Dietmar Berron-Brena (Freiburg) in Doppelbesetzungen.

Darsteller:
Désirée Burger
Gilberto Cammisa
Sergej Rausch
Alina Sandrock
Kerstin Simon

Regie:
Dietmar Berron-Brena

Regie-Assistenz:
Natalie Buda